Das Lebensspiel und seine Möglichkeiten ‒
so ein grandioses Theater!

Dezember 2021

Pandemiezeiten führen uns das Spiel des Lebens grossartig anschaulich vor Augen: Voll krass wie die Meinungen über Corona und die Massnahmen in unserer Zeit auseinanderdriften, sie gehen von bejahend-zustimmend bis hin zu trotzig und extrem abweisend. Corona polarisiert. Die Pandemiezeit führt uns die ganze Bandbreite der Meinungen und Ansichten deutlich vor Augen. Und alle Gedanken und Ansichten finden ihren Platz im grossen Fluss des Lebens.

Hand in Hand mit den divergierenden Gedanken gehen zudem die entsprechenden Gefühle, die den Lebenssturm ihrerseits noch gehörig anheizen. Das ganze Spektrum menschlicher Emotionen und Gefühle wird sichtbar, von aggressiv bis hin zu versöhnlich, von kämpferisch bis verständnisvoll. In dieser aufgeheizten Stimmung erkennen wir das grosse Spiel des Lebens als ein Spiel der Polaritäten. Wir pendeln hin und her im Spiel auf der Bühne des Lebens, es geht rauf und runter, drunter und drüber, hin und her ‒ wir pendeln zwischen den Polen. Unser Leben ist ein Spiel der Polaritäten, angefacht durch unsere Gedanken und Gefühle. Das duale Spiel des Lebens entfaltet sich auf der Bühne des Lebens zwischen Gut und Böse, zwischen Freud und Leid, zwischen hell und dunkel, zwischen richtig und falsch, zwischen Himmel und Hölle. In dieser polaren Spannung entsteht das Drama auf der Bühne des Lebens.   

Denken wir die Metapher, dass unser Leben ein Spiel auf der Lebensbühne sei, weiter: Schauen wir auf unsere Lebensbühne, dann erkennen wir, dass auf den Brettern unserer Lebensbühne stets Bewegung herrscht, da ist Veränderung ‒ unsere Lebenssituationen wechseln sich ständig ab, gehen ineinander über: Ständig sind neue, andere Menschen auf der Bühne, ständig werden andere Kulissen sichtbar, ständig wechselt das Licht, die Musik, die Stimmung, ständig gibt es andere Requisiten, Möbelstücke. Eine entscheidende Frage ist an dieser Stelle in den Bewusstseins-Trainings: Bin ich auf meiner Lebensbühne der Hauptdarsteller / die Hauptdar­stel­lerin, oder ein Nebendarsteller, gar ein Statist oder bloss ein Kulissenschieber, ein Requisiten-Bereitsteller?

Auf alle Fälle, wir erleben das polare Spiel auf der Bühne des Lebens als ein Ich, mit dem wir uns identifizieren. Als ein Ich haben wir einen Körper, haben einen Namen, haben eine Persönlichkeit, haben einen Verstand, Gedanken und Gefühle ‒ all das haben wir, aber wer sind wir denn eigentlich? Da muss doch noch etwas anderes sein, als all das was wir bloss haben!? ‒ Unsere Gedanken und Gefühle kurbeln und treiben unser Lebensspiel wohl an, aber wer oder was verursacht das Spiel?

Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar

Antoine de Saint-Exupéry

Willkommen auf der geistigen Ebene unseres Mensch-Seins

 
Wie in jedem realen Theater wird das Geschehen auf der Bühne jeweils aus dem Regieraum heraus bestimmt. Für die Zuschauenden unsichtbar, befindet sich der Regieraum irgendwo im Hintergrund, im Dunkeln. Und trotzdem: Von hier aus kommen all die Anweisungen, die das Spiel auf der Bühne leiten: Der Regieraum gibt das Signal für Auftritte und Abgänge der jeweiligen Dartsteller, hier wird das Licht geregelt, die Musik, die Stimmung, die Abfolge der Kulissen, usw. Auch die Glocke für die Pause wird vom Regieraum aus betätigt. Kurz: Im Regieraum, oder genauer: auf dem Regiepult des Regieraums laufen alle Fäden des Spiels auf der Bühne zusammen.

Auch in unserem Lebensspiel gibt es solch einen Regieraum, nämlich auf der geistigen Ebene, in der Welt unseres Bewusstseins. Auf dem Mischpult unseres hauseigenen Regieraums befinden sich unsere Einstellungen, unsere Lebens-Einstellungen: So wie wir im Regieraum eingestellt sind, so stellt sich das Geschehen auf unserer Lebensbühne ein. So entfaltet sich auf unserer Lebensbühne das Spiel von Ursache und Wirkung.

Im Regieraum

 
Während auf der Bühne des Lebens vielfach Hektik herrscht ‒ und in Pandemiezeiten geradezu Sturm, Lärm, Turbulenzen und Chaos ‒, herrscht im Regieraum Ruhe und Stille. Denn um das Spiel auf der Bühne souverän zu leiten, braucht es Konzentration, Klarheit und Übersicht. Keine Ablenkungen.

Ein Blick auf das Regiepult im Regieraum zeigt, dass jeweils nur ein kleiner Bereich von Knöpfen, Reglern und Schaltern beleuchtet ist, ein Grossteil des Mischpults liegt im Dunkeln. Auch auf dem Regiepult unserer persönlichen Lebensbühne gibt es viele Einstellungen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, und im Dunkeln liegen, die aber trotzdem das Spiel auf unserer Lebensbühne verursachen. Zu diesen Einstellungen, die aus dem Dunkeln heraus unser Leben prägen und bestimmen zählen unsere Überzeugungen, zählen unsere tiefen Glaubenssätze, unser Wertesystem und insbesondere auch unsere sogenannten «inneren Bilder», wie unser Selbstbild, Menschenbild und Weltbild. Wie gesagt, so wie wir im Regieraum eingestellt sind, so stellt sich das Spiel auf der Lebensbühne ein, unsere Überzeugungen erzeugen im wahrsten Sinne des Wortes unsere Realität.

Wie verhalten wir uns im Lebenstheater?

 
Wenn wir uns voll und ganz im Strudel unseres Lebensspiels befinden und uns einzig und allein mit unserem Ich identifizieren, werden wir meist auf der Bühne unseres Lebens gehörig hin- und hergeschüttelt, durchgerüttelt, wir pendeln von einem Pol zum andern, kurz: Wir befinden uns vielfach im hilflosen Opfer-Modus und leiden.

Aber wir könnten und können aus dem Drama aussteigen, bewusst aussteigen! Der erste Schritt besteht darin, das Spiel des Lebens, dieses Spiel der Polaritäten auf unserer Lebensbühne, einfach nur wahrzunehmen, bewusst und wertfrei wahrzunehmen. Wissend, was immer ich wahrnehme, sei es das Grässlichste oder das Herzerfreuendste, es ist ein Teil des grossen Spiels des Lebens. Was ist, ist. Ich muss es nicht bekämpfen, muss es nicht bewerten, muss es nicht verurteilen. Ich kann es einfach fürs erste wahrnehmen, so stehen lassen, muss kein Drama daraus machen, und ich muss nicht in meine Gefühle, Gedanken, in meine Bewertungsmechanismen gehen, sondern kann das Leben, so wie es ist, fürs erste einfach wertfrei wahrnehmen und in der Folge annehmen.

Wahr-nehmen

 
Wahrnehmen bedeutet zu Bewusstsein kommen: Unser Bewusstsein ist mehr als unser Denken, ist mehr als unser Verstand, der logisch, linear und analytisch agiert. Unser Denken findet in den Grenzen unseres Weltbildes statt. Begrenzt ist unser Denken durch die Einstellungen auf unserem Regiepult, die die Grenzen unserer Welt ‒ gemäss unseren Glaubenssätzen ‒ definieren. Im Gegensatz zum begrenzten und begrenzenden Verstand, ist unser Bewusstsein unbegrenzt, unendlich und ganzheitlich. Bewusstsein ist eine geistige Disziplin. Bewusstsein ist reine Wahrnehmung. Bewusstsein nimmt einfach wahr, nimmt wahr, was jetzt ist, nimmt uns selbst im Spiel des Lebens wahr, unser Ich, nimmt Gedanken, Gefühle, Situationen einfach wahr. Ohne zu bewerten, jenseits von Raum und Zeit. Einfach «wahr-nehmen» ‒ das ist der erste Schritt zur bewussten Lebensgestaltung.  

Leben wir nicht länger als Almosenempfänger des Schicksals,
leben wir als bewusste Schöpfer unseres Lebens!

 Kurt Tepperwein, 1932,
Autor und spiritueller Lehrer
Regie führen im Lebensspiel

 Wenn wir zu Bewusstsein kommen, dann sind wir im wahrsten Sinne des Wortes «selbst-bewusst». Als inkarnierte Seelen sind wir nämlich nicht nur ein Ich und haben einen Körper, um auf der Bühne des Lebens Erfahrungen zu machen, sondern wir sind als inkarnierte Seelen in erster Linie das, was wir immer waren und immer sein werden, wir sind ein Selbst, wir sind Kinder Gottes, wir sind unendliches Bewusstsein. Dieser andere Blickwinkel generiert ein grundlegend anderes Weltbild und eröffnet uns neue Möglichkeiten: Ja, als erwachendes Bewusstsein finden wir Zugang zur Welt der unendlichen Möglichkeiten. 

Kommen wir nämlich zu Bewusstsein, dann haben wir freien Zugang zu unserem Regieraum und wir werden je länger je mehr Regisseure im Spiel unseres Lebens. Und wir erkennen bei genauem Hinschauen, dass sich auf unserem Regiepult noch unendlich viele Regler und Schalter mehr befinden, und dass uns so als Kinder Gottes alle Möglichkeiten offenstehen, das Spiel auf der Bühne unseres Lebens zu gestalten. Und so werden wir – auch in Coronazeiten! ‒ je länger je mehr Regisseure im Spiel unseres Lebens. Und Regisseure setzen die passenden, idealen Einstellungen auf dem Regiepult, gezielt und freudig.